Was bedeutet ,,traumatisiert’’ sein?
Ein Trauma entsteht dann, wenn wir im Nachgang einer emotionalen Stresssituation keine geeignete ,,Überlebensstrategie’’ zur Hand haben. In den meisten Fällen, hat jeder Mensch seine persönliche Art und Weise, mit Belastungen umzugehen. Wenn aber eine Situation aufkommt, in der wir uns hilflos fühlen, oder gar unser Leben als bedroht wahrnehmen und dann keine ,,geeignete’’ Handlungsstrategie haben, sind wir überlastet. Somit können wir das Erlebte nicht richtig zuordnen geschweige denn verarbeiten. So geht es leider auch Betroffenen der Hochwasserkatastrophe. Die Psyche ist in dem Zusammenhang mit einem Kleiderschrank vergleichbar, in dem, desto mehr Klamotten hineinkommen, immer mehr Zipfel raushängen, wodurch er sich nicht mehr richtig schließen lässt. Leider ist es genau das, was dazu führt, dass sich uns ungewollte Erinnerungen und Bilder aufdrängen und das oft in den Momenten, in denen wir sie am wenigsten brauchen.Welche Symptome können auf ein Trauma hinweisen?
Im Zuge des Traumaforums für Betroffene der Hochwasserkatastrophe 2021 schilderte eine Betroffene, dass sie seit einigen Wochen unter Angstzuständen leide und sich ihr regelmäßig Bilder von Wasserfluten aufdrängen, in denen das Wasser nur so ,,läuft und läuft’’. Regengeräusche waren für die traumatisierte Betroffene anfangs kaum erträglich. Sogar duschen stellte für sie eine große Überwindung dar. In diesen emotionalen Ausnahmezuständen startet unsere Psyche ein Schutzprogramm und schaltet in den Überlebensmodus (fight, flight, freeze), was meist mit Symptomen einher geht. Jedoch leiden nicht nur Erwachsene unter den Auswirkungen der Überschwemmungen, auch Kindern und Jugendlichen fehlt es teilweise an Ressourcen, um mit dem Geschehenen zurechtzukommen. Eine Familie beschrieb, dass ihr 6-jähriger Sohn Hubschrauber hörte, während diese schon längst nicht mehr da waren. Die häufigsten Symptome bei Erwachsenen:- Angstzustände
- Herzrasen
- Sich aufdrängende Bilder
- Flashbacks
- Konzentrationsschwierigkeiten
- Schlafstörungen, Alpträume
- Körperliche Beschwerden (Kopfschmerzen, Verspannungen)
- Sich wie betäubt fühlen, neben sich stehend
- Angst
- Klammern, anhängliches Verhalten
- Aggression
- Hyperaktivität
- weinen
- Regen, Unwetter
- Wettervorhersagen
- Präventive Evakuierungen
- Nachrichten
- Bilder der Verwüstung
- jeglicher Zusammenhang mit Wasser, oder großen Wassermengen (duschen, Meer, Schwimmbad bspw.)
Wann ist eine Therapie sinnvoll?
Eine Therapie, sowohl für Erwachsene, als auch für Kinder, ist immer dann ratsam, wenn man sich unsicher ist. Allerdings sollte man auch beachten, dass wir uns in einer Postphase der Unwetterkatastrophe und dem damit gesellschaftlichen Trauma befinden und man sich somit selbst genug Zeit zur Verarbeitung der Ereignisse geben sollte. Man spricht in etwa von 3 Monaten. Das bedeutet aber nicht, dass wenn man das Gefühl hat, seinen Alltag bspw. Nicht mehr bewältigen zu können, warten sollte. Eine Therapie kann auch präventiv begonnen werden.Soforthilfe bei Trauma durch Hochwasser
Wichtig ist es, sich nicht zu vergleichen und nicht in den Glauben zu verfallen: ,,Anderen geht es doch so viel schlechter als mir, ich habe gar keinen Grund, um traurig, oder gar traumatisiert zu sein!’’. Denn diese Erkenntnis haben wir bei dem Traumaforum für uns entdeckt. In vielen Köpfen der Menschen herrscht der Gedanke, sie müssten gerade nur funktionieren und Gefühle finden da keinen Platz. Wir möchten hier nochmal daran erinnern, dass bei all der benötigten und laufenden Unterstützung der Betroffenen, es immer noch wichtig und auch notwendig ist zu wissen: Selbstfürsorge ist okay! Wenn jeder für sich sorgt, ist für alle gesorgt.- Selbstfürsorge, egal wie viel, egal wie lange
- Achtsamkeit (Atemübungen: 5x ein- und ausatmen, Meditation, Schreiben)
- Sicherheit in Form von Regelmäßigkeit und Routine schaffen
- Notfallkoffer- oder Tasche basteln
- Affirmationen: ,,Ich bin sicher’’
- Ressourcenaktivierung: Wer in meinem Umfeld kann mich unterstützen? Mit wem kann ich sprechen?
