Was ist ein Trauma

Was ist ein Trauma?

Definition eines Traumas  

Ein Trauma ist die Folge eines Ereignisses, das sich sehr belastend auf die Psyche des Betroffenen auswirkt. Das Erleben der Situation wird meist von sehr hohem Stress und starken Angstgefühlen begleitet. Die Schutzmechanismen der eigenen Psyche werden überwältigt und Betroffenen fällt es zumeist schwer, das Erlebte auf normale Art und Weise zu verarbeiten. 

 

Die angemessene Verarbeitung des Erlebten ist aufgrund der Überforderung des angeborenen Stress-Systems blockiert. Der Betroffene hat folglich Schwierigkeiten, das Erlebnis zu verarbeiten, kann keinen gesunden Abstand gewinnen und verharrt schlussendlich auf einem ungesunden Stresslevel. 

 

Beispiele für Traumata  

Traumatische Erlebnisse sind so schwerwiegend, dass sie eine tiefe Verletzung der Seele auslösen können. Das können einmalige, zufällige Situationen wie schwere Unfälle und Naturkatastrophen sein, aber auch andauernde Situationen wie Erkrankungen oder das Erleben von psychischer, körperlicher und sexueller Gewalt, Misshandlungen oder Verlusterfahrungen. 

 

Was passiert, wenn wir ein traumatisches Ereignis durchleben?

Ein traumatisches Ereignis wird oft in Verbindung mit starker Angst, Hilflosigkeit oder Grauen erlebt. Die Psyche versucht, sich mit allen Mitteln gegen das Erlebte zu schützen und löst eine sogenannte “akute Belastungsreaktion” aus. 

 

Diese kann vom Betroffenen bereits während der traumatisierenden Situation wahrgenommen werden und bis zu 30 Tage anhalten. Sie äußert sich meist in einer Abspaltung des Bewusstseins vom Erlebten; die Situation wirkt entweder “abgedämpft”, wird nur in Einzelteilen wahrgenommen oder gar komplett ausgeblendet. So kann es vorkommen, dass Betroffene Schwierigkeiten haben, sich an den genauen Hergang des Ereignisses zu erinnern. 

 

Trauma-Symptome 

Die akute Belastungsreaktion kann als Folge eines traumatischen Erlebnisses breit gefächerte körperliche Symptome hervorrufen: 

 

  • Herzrasen
  • Schwitzen
  • Rötung
  • Blässe
  • Übelkeit
  • Starre 

 

Hinzu kommt die starke psychische Belastung; neue Reize können schlecht verarbeitet werden. 

Diese Reizüberflutung führt zu weiteren Symptomen: 

 

  • Unruhe
  • Unaufmerksamkeit
  • Gefühlsschwankungen bis hin zur kompletten Apathie 
  • Unfähigkeit, das Erlebte wiederzugeben

 

 

Nach dem Trauma 

Zu einem späteren Zeitpunkt können Wieder-Erlebnisse des traumatischen Ereignisses, sogenannte “Flashbacks”, und Alpträume auftreten. Flashbacks werden von Betroffenen als sehr real wahrgenommen; die durchlebten und bis dato eventuell verschütteten Erinnerungen können sich auf unangenehme Weise schlagartig aufdrängen. 

 

Auch mit dem Erlebnis verbundene Sinneseindrücke wie Gerüche oder Geräusche können Erinnerungen und Wieder-Erlebnisse auslösen. Tatsächlich sind diese “Intrusionen” dazu da, das Erlebte weiter zu verarbeiten. 

 

Generell reagieren Betroffene sensibler auf Reize und verhalten sich angespannter oder schreckhafter. Gegenstände, Orte und Personen, die der Betroffene mit dem Ereignis assoziiert, die sogenannten “Trigger”, können starke negative emotionale Reaktionen hervorrufen und werden daher oft gemieden. 

 

Diese akuten Beschwerden können sich jedoch innerhalb kürzester Zeit wieder zurückbilden. Ist dies nicht der Fall, beispielsweise bei einer besonderen Schwere des Traumas, kann der beschriebene Zustand anhalten und sich zu einer posttraumatischen Belastungsstörung entwickeln. In diesem Fall sollte sich der Betroffene unbedingt in therapeutische Betreuung begeben. Ebenso kann einer posttraumatischen Belastungsstörung nach dem Erleben einer traumatisierenden Situation bereits vorab durch therapeutische Maßnahmen vorgebeugt werden. 

 

Was ist eine posttraumatische Belastungsstörung? 

Eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) liegt dann vor, wenn die beschriebenen Symptome länger als 4 Wochen andauern. 

Ausschlaggebend hierfür kann beispielsweise die Schwere des traumatischen Erlebnisses sein oder ob der Betroffene bereits mit einer ähnlich negativen Situation konfrontiert wurde. 

 

Begleiterscheinungen einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS)

Ängste 

Aufgrund des traumatisierenden Ereignisses kann es vorkommen, dass Betroffene ängstlicher und unsicherer durch die Welt gehen und dazu neigen, ihre Umgebung als bedrohlich wahrzunehmen. 

Ärger und Wut 

Diese Emotionen können aufgrund verschiedener Faktoren in Verbindung mit dem Trauma auftreten. Zum einen kann der Betroffene wütend sein auf seine Situation oder sein Schicksal. Die Wut kann aber auch auf die Person gerichtet sein, die der Betroffene für sein Leiden verantwortlich macht. 

Doch auch gegenüber Personen, die dem Betroffenen nahe stehen und nichts mit der inneren Verletzung zu tun haben, kann der Betroffene im Alltag ungehalten reagieren. Dies kann der Fall sein, wenn eine Situation an die kritische Verletzung erinnert. Aufgrund der inneren Anspannung und hohen Sensibilität des Betroffenen kann es hier zu Überreaktionen und Konflikten kommen. 

Depressionen 

Auch Depressionen sind eine typische Begleiterscheinung einer posttraumatischen Belastungsstörung. Betroffene verspüren oft eine starke Antriebslosigkeit; bereits die Bewältigung des normalen Alltags kann eine große Herausforderung bedeuten. Den Betroffenen fällt es meist schwer, sich zu Dingen, die Leistung erfordern, aufzuraffen. Selbst für einst geliebte Hobbys und Aktivitäten kann die Motivation fehlen. Auch ist der Rückzug vom sozialen Umfeld, den Freunden und der Familie, keine Seltenheit. Unter diesen Umständen kann das Leben seine Sinnhaftigkeit verlieren und sogar weitere psychische Krisen auslösen.

Verlust des Welt- und Selbstbilds 

Die traumatische Erfahrung kann dazu führen, dass ein Betroffener sein Weltbild grundlegend verändert; es besteht eine konstante Skepsis und mangelndes Vertrauen gegenüber der Welt und den Mitmenschen. 

Auch ein schwaches Selbstwertgefühl kann in Verbindung mit einer posttraumatischen Belastungsstörung stehen; Betroffene können den Eindruck erlangen, dass sie das, was ihnen widerfahren ist, verdient haben oder dass sie negative Ereignisse gar anziehen. 

Wenn sie tatsächlich für das traumatisierende Ereignis verantwortlich sind oder in der Situation anders hätten reagieren können, sind die einhergehenden Gefühle oft geprägt von Schuld und Scham. 

 

Ein Trauma überwinden  

Ersthilfe bei Traumata 

Nach einer Trauma-Erfahrung ist es wichtig, der betroffenen Person emotionale sowie praktische Unterstützung anzubieten. Wichtig dabei ist, dass entsprechend der jeweiligen Situation und vor allem abgestimmt auf die Bedürfnisse des Betroffenen gehandelt wird. Selbstverständlich sind emotionale Stützen und praktische Hilfen wichtig. Die Hilfe sollte aber in keinem Fall aufgedrängt werden, um den Betroffenen nicht zusätzlich zu überfordern. 

 

 

Zur Kompensation des Erlebten verfallen Betroffene des Öfteren auch in sehr ungesunde Verhaltensmuster, die unbedingt vermieden werden sollten: 

 

 

© National Center for Post-traumatic Stress Disorder (http://www.ncptsd.org)

 

Wann sollte ein Trauma-Therapeut hinzugezogen werden? 

 

  • Die Beschwerden bestehen bereits seit mehr als vier Wochen 
  • Der Betroffene hat schon einmal traumatisierende Erfahrungen erlitten 
  • Es müssen zusätzlich weitere erhebliche Belastungen verkraftet werden 
  • Die Bewältigung des Alltags bereitet dem Betroffenen erhebliche Schwierigkeiten 
  • Der Betroffene fühlt, dass er professionelle Unterstützung benötigt

 

Wenn einer dieser Punkte mit “ja” beantwortet wurde, kann es hilfreich sein, sich an einen Traumatherapeuten zu wenden. 

 

Traumata in der Kindheit 

Wird ein Kind traumatisiert, kann das unter Umständen Auswirkungen auf die Entwicklung des Kindes bis ins Erwachsenenalter haben. 

Zwar unterscheiden sich die Auswirkungen in ihrer Intensität oft in Abhängigkeit davon, ob es sich um ein einmalig belastendes Erlebnis oder um Erlebnisse, die wiederholt traumatisch auf die Kinder eingewirkt haben, handelt; die Folgen eines einmaligen Trauma-Erlebnisses dauern in der Regel nicht so lange an und zeigen schwächere Auswirkungen als bei einer chronischen Traumatisierung bei anhaltendem, nicht verarbeitetem emotionalen Stress. 

Wenn wir über Traumatisierungen von Kindern sprechen, dann müssen wir bedenken, dass für Kinder bereits kleinere Belastungen ausreichen können, um die individuellen Bewältigungsmöglichkeiten zu übersteigen und hierüber ein Diskrepanz-Erleben auszulösen. 

Es muss nicht immer das große, katastrophale Erlebnis sein; für ein Kleinkind kann unter Umständen sogar der frühzeitige Tod des Lieblingskuscheltiers in der Waschmaschine ein solches Ereignis darstellen. 

Es kommt dabei sowohl auf die generelle Verfassung des Kindes als auch darauf an, wie vonseiten des kindlichen Umfeldes mit dem Ereignis umgegangen wird.

Ausschlaggebend ist also, wie viel anderen Stress es noch im Leben des Kindes gibt, mit dem zusätzlich umgegangen werden muss und ob das Kind getröstet oder das Weinen mit Sätzen wie “Jetzt stell’ dich doch nicht so an, ich kaufe dir ein neues Kuscheltier!” heruntergespielt wird. 

 

Zusammenfassend gilt: 

 

  • Emotionaler Stress entsteht immer dann, wenn ein Kind in seinen Grundbedürfnissen, also Bindung und Beziehung, Kontrolle und Orientierung, Lustgewinn und Unlust-Vermeidung oder Selbstwerterhöhung und -schutz erschüttert wird. 
  • Je niedriger  das  Entwicklungsalter  und  die  Ressourcen  des  Kindes,  desto  geringer  die Bewältigungsmöglichkeiten.

 

Traumapädagogik 

Unter Traumapädagogik versteht man die menschliche Begegnung zwischen einem traumatisierten Kind oder Jugendlichen und dem Pädagogen.  

Ziel der Traumapädagogik sind positive und korrigierende Bindungsangebote in einem sicheren Lebensrahmen. So kann Vertrauen entstehen, Selbstwirksamkeit gefördert, Aggressionen abgebaut und damit das Selbstwertgefühl und Entwicklungspotential der Kinder und Jugendlichen gesteigert werden. 

 

Fortbildung Traumapädagogik an der FreyMut Academy

Kinder und Jugendliche, aber auch Erwachsene, die zu Hause in der Kindheit Vernachlässigung, Verwahrlosung oder Gewalt erfahren haben, brauchen besondere Zuwendung und gezielte Unterstützung. 

Die in der Fortbildung vermittelten Methoden können Pädagogen, Therapeuten und allen, die mit Kindern arbeiten, dabei helfen, den nicht verarbeiteten emotionalen Stress abzubauen,  und ein gutes Leben möglich machen. 

 

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Trauma-Powerkurs 

Unser Trauma Powerkurs bietet praktische Hilfestellungen zur Arbeit mit Kindern. 

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